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Original
Heinrich III.
Codex Aureus

DAS EVANGELIAR HEINRICHS III. FÜR DEN MARIEN-DOM ZU SPEYER. Pergament-Handschrift, geschrieben und gemalt im Skriptorium des Benediktiner-Klosters Echternach 1045/46, heute bewahrt mit der Signatur Codex Vitrinas 17 in der Real Biblioteca de San Lorenzo El Escorial.

340 (+2) Seiten (170 + 1 Blatt, 21 Lagen) im Großformat 500 x 350 mm mit 13 ganzseitigen und 43 etwa halbseitigen Bildern, 12 Kanontafeln, 44 prunkvollen Zierseiten, 18 Seiten mit zwei Zierkolumnen und 11 Seiten mit einer Zierkolumne, insgesamt 141 Schmuckseiten, dazu 124 Ranken-Initialen; jede Textseite der Evangelien mit Kolumnentitel, davon 50 mit zusätzlicher Trägerfigur (Atlant). Schrift: Karolingische Minuskel in zwei Kolumnen zu je 36 Zeilen mit dem völlig in Goldtinte geschriebenen Text. Schriftspiegel: 370 x 235 mm. Einband: Rotes Leder, goldgeprägt im Pointillé-Stil mit Messingbeschlägen.

Mit den 4 prunkvollen “Vorhangseiten”, den 12 monumentalen Kanon-Tafeln, den 4 prächtigen Aotoren-Bildern der Evangelisten, der ornamentalen, graphischen und bildlichen Gesamtgestaltung, ist ein sonst nirgendwo in der Geschichte der Buchkunst bekanntes künstlerisches Höchstmaß erreicht. Dies bei einer Fülle von Differenzierungs- und Nuancierungsmöglichkeiten, wie sie nur einem großen Skriptorium auf dem Höhepunkt seiner Leistungskraft zur Verfügung stehen. Als Heinrich seinen Auftrag erteilte, haben die Echternacher Werkstatt-Mitglieder das Kunstwerk übrigens in nur neun Monaten hergestellt, vom Programmentwurf über die Materialbeschaffung, die Schreib- und Malarbeit bis zur Einbandgestaltung: bei dieser Qualität eine absolute Glanzleistung, die keinem Faksimile-Verlag auch bei Anwendung allermodernster Techniken in solch kurzer Zeit möglich ist.

DER WEG DES CODEX AUREUS. Heinrichs früher Tod (1056) hinterließ eine Lücke, die zur verhängnisvollen Entfremdung zwischen dem Reich und den kirchlichen Reformkreisen führen sollte. Als er an seinem 39. Geburtstag an der Seite seiner Eltern beigesetzt wurde, war zwar der Dom noch nicht vollendet (Weihe 1061), doch dürfte in der Totenmesse, die Papst Victor II. feierte, sein Evangeliar ihn begleitet haben. Wann und aus welchem Grund der Codex seinen Bestimmungsort verließ, ist unbekannt. Bezeugt ist er erstmals wieder 1522 durch Erasmus von Rotterdam, der ihn in Mechelen in der Bibliothek der Margareta von Österreich einsah, “ganz golden eingebunden und in Goldbuchstaben geschrieben”. Sie mag ihn von ihrem bibliophilen Vater, Kaiser Maximilian I., erhalten haben, der gute Beziehungen zum Kaiserdom und seinem Bischof hatte. Über die Königin Maria von Ungarn, Nichte und Nachfolgerin Margaretas im Statthalteramt der Niederlande, gelangte er mit anderen wertvollen Handschriften 1566 als Geschenk für Philipp II. in den gerade zu Ehren des Hl. Laurentius erbauten Escorial. Für die Grablege der Salier bestimmt, ruht er seither in unmittelbarer Nähe der Grablege der spanischen Könige. Als Faksimile hat er den Weg zurück in seine angestammte Heimat gefunden.

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